Beate Knappe


Als ich geboren wurde, gab es weder einen Fernseher noch ein Auto und auch kein Telefon. Aber es gab eine Kamera – und meine Mutter, die sie selbstverständlich nutzte.
Fotografie war für mich nie nur ein Broterwerb. Sie war mein Werkzeug, um zu erkunden, wo ich in dieser Welt hingehöre.
In den 1970er- und 1980er-Jahren arbeitete ich als Bildjournalistin. Ich fotografierte Demonstrationen, Arbeitskämpfe und Menschen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen. Entscheidungen mussten im Moment getroffen werden – im Blick durch den Sucher.
Später entstanden über viele Jahre hinweg Portraitserien und freie fotografische Arbeiten. Damals dachte ich in einzelnen Projekten, nicht in einem Lebenswerk.
Erst die Vorbereitung einer Retrospektive veränderte meinen Blick. Die Begegnung mit einem Selbstportrait aus dem Jahr 2019 wurde zum Ausgangspunkt einer intensiven Auseinandersetzung mit meinem eigenen Archiv. Beim Sichten der Fotografien wurde mir bewusst, dass zwischen den Bildern, die über sechs Jahrzehnte hinweg entstanden sind, Zusammenhänge bestehen, die ich während des Fotografierens selbst nicht erkennen konnte.
Ich begann zu verstehen, dass meine Fotografien nicht nur von der Welt erzählen. Sie erzählen auch von mir – von meinem Blick, meiner Haltung und den Fragen, die mich über Jahrzehnte begleitet haben. Was zunächst wie eine Rückschau begann, entwickelte sich zu einer neuen Arbeit: der Erschließung meines fotografischen Lebenswerks.
Für den 1. Juni 2020 war eine Ausstellung im Gerresheimer Bahnhof in Düsseldorf geplant. Sie konnte aufgrund der Pandemie nicht stattfinden. Die Verschiebung veränderte jedoch nicht nur den Zeitpunkt der Ausstellung, sondern auch meinen Blick auf die Fotografien selbst. Aus dieser Zeit entstand der Bildband knappe70, der einen ersten Zugang zu meinem analogen Werk eröffnet.
Bereits Anfang der 1990er-Jahre erschien mit BESTANDTEIL – Stück vom Ganzen – Frauen in Chemnitz eine erste Verdichtung meiner fotografischen Arbeit in Buchform. Mit knappe70 (2020) und meiner 2025 veröffentlichten Autobiografie BEATE KNAPPE. Frau. Mutter. Fotografin. setzte sich dieser Prozess fort.
Heute verstehe ich meine Fotografien zum ersten Mal als zusammenhängendes Werk. Die Arbeit an seinem Verständnis und seiner Erschließung dauert an.
Diese Website zeigt einen wesentlichen Teil meiner analogen Fotografien. Die aktuelle Arbeit an meinem fotografischen Lebenswerk dokumentiere ich auf beateknappe.de.
Ein Teil dieser Arbeit ist weiterhin unter beateknappe.de sichtbar.



