

Als ich geboren wurde, gab es weder einen Fernseher noch ein Auto und auch kein Telefon. Aber es gab eine Kamera – und meine Mutter, die sie selbstverständlich nutzte.
Fotografie war für mich nie nur ein Broterwerb. Sie war mein Werkzeug, um zu erkunden, wo ich in dieser Welt hingehöre.
In den 1980er Jahren arbeitete ich als Bildjournalistin. Ich war auf Demonstrationen, bei Streiks, in Situationen, die sich schnell veränderten und wenig Zeit ließen. Entscheidungen mussten im Moment getroffen werden, im Blick durch den Sucher.
Heute, im Prozess der Archivierung, zeigt sich meine Arbeit in einem anderen Zusammenhang. Die Begegnung mit einem Selbstportrait im Jahr 2019 wurde zu einem Einschnitt. Sie löste eine Bewegung aus – zurück in die Vergangenheit und zugleich in mein heutiges Leben als Fotografin.
Mir wurde deutlich, wie wenig verbunden die analog arbeitende Fotografin früherer Jahre und mein heutiges Ich sind. Und zugleich, wie präsent in meinen Bildern eine Haltung ist, die ich mir selbst lange nicht zugestehen konnte.
Was ich fotografiert habe, erzählt nicht nur von der Welt. Es gibt auch Auskunft über mich. Diese Kraft des Ringens, des Scheiterns und des Neubeginns führte zu dem Entschluss, mein Werk erstmals in einer Retrospektive zusammenzuführen.
Für den 1. Juni 2020 war eine Ausstellung im Gerresheimer Bahnhof in Düsseldorf geplant. Sie kam nicht zustande. Die Verschiebung – ausgelöst durch die Pandemie – veränderte nicht nur den Zeitpunkt, sondern auch meinen Blick auf die Arbeit selbst.
Aus dieser Zeit heraus entstand ein Bildband, der das Werk auf andere Weise zugänglich macht.
Bereits Anfang der 1990er Jahre erschien mit BESTANDTEIL eine erste Verdichtung meiner Arbeit in Buchform.
Mit knappe70 (2020) kehre ich unter anderen Bedingungen darauf zurück.
Und in 2025 habe ich meine Autobiografie geschrieben – eine weitere Annäherung an das eigene Werk.
Was ich fotografiert habe, verstehe ich heute anders. Und vielleicht zum ersten Mal als zusammenhängende Arbeit.
Ein Teil dieser Arbeit ist weiterhin unter beateknappe.de sichtbar.



