Es ist eine Entscheidung, die mein Werk durchzieht: Ich habe mich der Sichtbarkeit von Frauen gewidmet.
Ihrer Präsenz. Ihrer Selbstverständlichkeit im Foto.
Das ist keine Lücke. Keine Auslassung. Sondern eine Setzung. Und doch gibt es diesen Einwand:
Männer seien in meiner Verschlagwortung unterrepräsentiert. Ich kann dem nicht widersprechen.
Also beginne ich, genauer hinzusehen. Wo kommen Männer in meinem Werk vor? In welchen Fotografien, in welchen Situationen, in welchen Rollen?
Ich will das verstehen. Nicht als Korrektur. Sondern als Klärung meines eigenen Blicks.
Und während ich suche, geschieht etwas anderes. Ich gehe ins Netz – und die Welt zeigt sich.
Gewalt.
Missbrauch.
Macht.
Nicht als Begriffe, sondern als Realität, die sich nicht lesen lässt, ohne dass der Körper reagiert. Ich wollte wissen: Welche Rolle spielen Männer in meinem Werk? Und plötzlich steht eine andere Frage im Raum: Welche Rolle spielen Männer in der Welt?
Zwei Fragen, die nicht zusammengehören – und sich doch überlagern. Ich halte fest: In meinem Werk sind Männer sichtbar. Aber sie sind nicht das Zentrum.
Der rote Faden sind Frauen. Nicht zufällig. Nicht beiläufig. Sondern gewählt. Ich habe Frauen gewählt. Und heute weiß ich, warum.
Kein Relativieren.
Keine nachträgliche Begründung.
Ich habe diese Entscheidung getroffen.
So habe ich gesehen.
So habe ich gearbeitet.
